Gebetsanliegen des Monats

Unsere Jugend und unsere Jugendfreizeit

Tageslosungen für heute

Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.
2.Mose 19,6

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Johannes 20,21

Kleine Geschichte des OFK

Der Obdachlosenfreundeskreis entstand im November 1992. Damals gab es einen Wohnungsnotstand in Lüdenscheid. 50 Personen schliefen auf der Straße. Zeitgleich entstanden die Aktion „Wir bauen ein Dach“ unter der Federführung der Lokalzeitung Lüdenscheider Nachrichten und die Gründung des OFK.

Wir luden alle evangelischen, katholischen, freikirchlichen Gemeinden, CVJMs, Verbände, Gewerkschaftsgruppen u.a. zu einem Treffen ein. 56 VertreterInnen kamen. Es wurde die Geburtsstunde des OFK.

Von da an überschlugen sich die Ereignisse. Spenden und Sachspenden von allen Seiten, Benefizkonzerte, Weihnachtsfeiern zugunsten der Obdachlosen und vieles andere mehr.

In den Wochen bis Weihnachten hatten die LüdenscheiderInnen 143.000 DM zusammengespendet. 3 Container und 10 Wohnwagen wurden davon finanziert und von der JUH betreut. Der OFK übernahm die ehrenamtliche Arbeit.

 Woche für Woche suchten wir die Menschen in den Containern und Wohnwagen auf, lernten sie kennen, hatten Gespräche, holten sie heraus und nahmen sie mit zu Festen, Feiern, Konzerten und Veranstaltungen. Wir lernten von den Mitarbeitern der Caritas unser Konzept: So viel wie möglich an Normalität gewöhnen.

Nichts ist so beständig wie ein Provisorium: Die Container standen mehrere Jahre.

Im Dezember 1993 schrieben wir alle Wohnungsgesellschaften in Lüdenscheid an und fragten sie nach einem Wagnis: uns als OFK Wohnungen zu vermieten, in denen wir als unsere Untermieter wohnfähige Menschen aus den Containern einmieten könnten. Eine Gesellschaft meldete sich zurück, und ab Januar 1994 bekamen wir die ersten beiden Wohnungen vermietet.

In den Jahren darauf wurden es insgesamt 19 Wohnungen, die wir anmieteten und in Absprache und Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Caritas die Bewohner begleiteten.

Die guten Erfahrungen überwogen bei weitem, so dass wir Anfang der 2000-der Jahre Zug um Zug die Untermietverhältnisse in echte Mietverhältnisse umwandeln konnten.

Inzwischen waren die Container aufgelöst und andere Notunterkünfte geschaffen worden.

Die Arbeit des OFK verzahnte sich seit Mitte der 90-ger Jahre Zug um Zug mit der Arbeit der Ev. Kirchengemeinde Oberrahmede. Zunehmend stammten die ehrenamtlich Mitarbeitenden von dort, wurden dort die Menschen aus Containern und Wohnungslosigkeit integriert. Bei Festen und Feiern packten diese in den praktischen Auf- und Abbau-Arbeiten mit an.  Bald entdeckten wir das Thema „Gastfreundschaft“. Bewirtungsdienste fielen zunehmend in den Aufgabenbereich des OFK. So wurden z.B. beim jährlichen „Markt der Familie“ und anderen städtischen Veranstaltungen ebenso wie bei kirchlichen Veranstaltungen die Menschen des OFK mitsamt ihren Mitarbeitenden zum Bewirtungsteam.

Außerdem wurde es zur Selbstverständlichkeit, dass Menschen des OFK an Veranstaltungen teilnahmen. So formulierte es der Bürgermeister (Dieter Dzewas) einmal so, der OFK hätte in Lüdenscheid die Obdachlosen „salonfähig“ gemacht.

In den Jahren entwickelte sich ein kostbarer Prozess: Der OFK wuchs als große Familie zusammen. Wenn jemand ins Krankhaus musste, wurde er besucht, die Geburtstage wurden zusammen gefeiert, alle großen Feste gemeinsam verbracht, gemeinsame Ausflüge veranstaltet, Aufgaben übernommen, zur jährlichen Gemeindefreizeit mitgefahren und vieles andere mehr.

Bald schon hinzu kamen unsere Möbelkammer mit kostenloser Abgabe von Möbeln und Wohnungsbestückung, ebenso die Hilfe bei Haushaltsauflösungen für alle Menschen der Stadt Lüdenscheid. Sie haben inzwischen einen ebenso festen Platz in der OFK-Arbeit wie das montägliche Bistro in der Innenstadt, in den Räumen des Erlöserkirchengemeindezentrums, wie auch der sonntägliche Fahrdienst ab Bahnhof zum Gottesdienst in der Oberrahmede.

Neben dem Dank an so viele Menschen, die mittragen und mitbeten, gilt der Dank vor allem dem Herrn dieser Welt, der uns in all diesen Jahren seine begleitende und segnende Hand hat erfahren lassen und uns durch alle Höhen und Tiefen geführt hat.

 

 

 

 

 

Abschied

Kraft in Schwachheit

 Die biblische Jahreslosung für 2012 lautet: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Christus“

An diesem Wochenende tragen wir einen unserer starken Schwachen zu Grabe. Er starb an einem Herzschlag. Er hat zum Urgestein unseres Obdachlosen-Freundeskreises gehört.

Als vor 20 Jahren mit Hilfe der Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger die Container und Wohnwagen angeschafft wurden als vorläufige Unterbringung der 50 Menschen, die in Lüdenscheid auf der Straße schliefen, war er dabei. Damals war er 41 und trank seit seinem 16. Lebensjahr alles, was Alkohol enthielt. Drei Jahre Auf und Ab im Container. Dann verlor er als Folge eines Zeckenbisses ein Auge, hörte auf zu trinken, bekam eine Wohnung. Wir erlebten das Wunder seines Trocken-Lebens. 17 Jahre lebte er trocken, in seiner Wohnung, hielt sich treu zu den Veranstaltungen unserer Gemeinde, war Sonntag für Sonntag im Gottesdienst, kaufte ein für das Kirchencafé, fuhr 16 Jahre lang mit auf unsere Gemeindewochenenden, hatte Aufgaben im OFK. Mehrmals ist er ernsthaft krank und dem Tod nahe gewesen. Immer wurde er uns wiedergeschenkt. Eine Gemeinde und ein OFK, die ihn umsorgten und umbeteten, waren an seiner Seite. Einer, der ein Original war und blieb. Zu ihm gehört kein rosa-roter Anstrich. ER verlor nicht einfach seine Eigenarten. Ein Schwacher, ein Starker. Einer, der konstant Tag für Tag auf die todbringende Alkoholdosis verzichtet hat. Er fand seinen Weg und seinen Platz. Und er verkörperte Sinn und Ziel, Anliegen und Bedeutung des OFK. In all dem ein rauher und ehrlicher Zeuge der Liebe Gottes. Ein Zeugnis für die Kraft, die einen starken Schwachen und einen schwachen Starken macht. Eine bleibende Ermutigung für jeden Menschen, dass Gottes Auferstehungskraft in menschliche Verpackung hinein für uns da ist voller Kraft. Kraft in Schwachheit. In Gottes Ewigkeit voller Kraft und ohne Schwachheit.

(Artikel "Zum Sonntag" in den Lüdenscheider Nachrichten (20.04.12) von
Monika Deitenbeck-Goseberg, Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Oberrahmede)